Schulbeginn in OÖ: Inklusion braucht Ressourcen statt wachsender Überlastung
Eine Woche vor Schulstart sind immer noch zahlreiche Lehrer:innenstellen an Mittel- und Volksschulen in OÖ unbesetzt
LAbg. Doris Margreiter
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres stehen tausende Schüler:innen sowie Lehrkräfte in Oberösterreich vor neuen großen Herausforderungen. Bildungslandesrätin Christine Haberlander hat heute zwar Neuerungen und Schwerpunkte für das kommende Schuljahr präsentiert, blendet dabei jedoch drängende Engpässe aus. Ein erfolgreicher Schulstart erfordert gute Rahmenbedingungen für alle Kinder – insbesondere für jene mit Förderbedarf. Doch genau bei der inklusiven Bildung brennt es in Oberösterreich gewaltig. Die aktuelle Zahl aus der heutigen Pressekonferenz zeigt außerdem, dass fast ein Prozent der Pflichtschullehr:innen noch nicht besetzt ist. „Zu wenig Lehrkräfte bei so vielen Kindern mit zusätzlichem Förderbedarf bringt das System an ihre Grenzen, eine Aufstockung der Sonderpädagog:innen bleibt nicht mehr aus! Ansonsten werden die Bedingungen immer schlechter und die Lehrer:innen weiterhin immer weniger“, appelliert SPÖ-Bildungssprecherin Doris Margreiter an die Bildungslandesrätin.
Entwicklung Zahlen SPF-Kinder und Sonderpädagog:innen
„Man möge z.B. an eine Lehrkraft denken, die eine Klasse mit Integrationskindern führen muss, der kein:e zusätzliche:r Sonderpädagog:in zur Verfügung steht und die dann aufgrund von Überforderung nicht mehr im Schuldienst arbeiten möchte. Diese Phänomene rund um weniger Personal in den Schulen hängen zusammen und in Einbezug dessen muss man auch die Lösungen finden“, erklärt Margreiter. Die Diskrepanz zwischen steigendem Bedarf und sinkendem Personal wird immer eklatanter, wie aktuelle Daten aus dem Juli vom Büro der Bildungslandesrätin belegen: Während die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Oberösterreich weiter steigt (von 6.119 im Vorjahr, bzw. erst 5.197 im Schuljahr 2021/22 auf 6.700 am Ende dieses Schuljahres), ist die Zahl der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen im selben Zeitraum von 1.377 (2021/22) auf nur mehr 1.095 gesunken. Die Folge ist eine massive Mehrbelastung für die verbleibenden Lehrkräfte. „Die verbleibenden Sonderpädagog:innen tragen also immer mehr Stunden auf immer weniger Schultern. Ihr durchschnittliches Stundenausmaß ist von 12,1 Wochenstunden im Schuljahr 2021/22 auf inzwischen 19,5 Wochenstunden gestiegen. Im Innviertel liegt der Höchstwert heuer sogar bei 28,8 Wochenstunden pro Person“, betont Margreiter.
Land Oberösterreich muss eigene Hausaufgaben machen
Die SPÖ fordert daher ein rasches Umdenken der Landesregierung. „Die Ressourcen für Sonderpädagogik müssen an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Es kann nicht sein, dass der Bedarf steigt, aber die Sonderpädagog:innen weniger werden. Wir brauchen dringend einen Ausbau, damit die Bedingungen in der Schule für alle aushaltbar sind und sich die Lehrkräfte gegenseitig unterstützen können“, so Margreiter abschließend.