Spracherwerb an Oberösterreichs Schulen
Die Oö. Landesregierung wird angesichts des hohen Anteils an außerordentlichen Volksschüler:innen und anhaltendem Lehrkräftemangel aufgefordert, ein Maßnahmenpaket zum besseren Spracherwerb an oberösterreichischen Volksschulen auszuarbeiten und dem Oö. Landtag zur Beschlussfassung vorzulegen.
Begründung
Der Anteil an Volksschüler:innen mit Deutschförderbedarf steigt. Besonders betroffen ist der oberösterreichische Zentralraum: In den Welser Volksschulen beträgt der Anteil an außerordentlichen Schüler:innen bereits 25 Prozent und liegt damit österreichweit an der Spitze. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Bundesergebnisbericht des Instituts des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen, dass rund 40 Prozent der oberösterreichischen Schüler:innen die Bildungsstandards im Lesen am Ende der 4. Schulstufe nicht oder nur teilweise erreichen. Mit Wels und Traun finden sich auch hier zwei oberösterreichische Städte im bundesweiten Schlussfeld.
Diese Entwicklung stellt nicht nur die betroffenen Kinder und Familien, sondern auch Lehrer:innen und Schulen vor enorme Herausforderungen. Gerade in jenen Regionen mit besonders hohem Sprachförderbedarf verschärft sich zugleich der Lehrkräftemangel massiv. Die Bildungsdirektion Oberösterreich bestätigt einen erhöhten Personalbedarf in städtischen Ballungszentren. So sind allein in Wels laut jüngsten Medienberichten für das Schuljahr 2026/27 noch 91 Lehrer offen, davon 65 an Volksschulen. Damit treffen hohe pädagogische Anforderungen und mangelnde personelle Ressourcen unmittelbar aufeinander.
Mit dem Chancenbonus-Programm für Schulen mit besonders herausfordernden Rahmenbedingungen hat die Bundesregierung bereits wichtige Schritte gesetzt. Um zu verhindern, dass Oberösterreich im Bildungsbereich weiter zurückfällt, braucht es jedoch auch auf Landesebene dringend entschlossene und koordinierte Maßnahmen.
Spracherwerb ist die Grundlage für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und gelingende Integration. Deshalb ist es notwendig, dass Bildungs- und Integrationsressort des Landes Oberösterreich gemeinsam ein umfassendes und koordiniertes Maßnahmenpaket für den besseren Spracherwerb an Oberösterreichischen Volksschulen ausarbeiten. Dieses soll insbesondere verbesserte Begleitstrukturen und attraktive Rahmenbedingungen für Lehrer:innen in besonders herausfordernden Schulstandorten, zusätzliches Unterstützungspersonal, den Ausbau von Schulbibliotheken und digitalen Lernangeboten zum Spracherwerb sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Integrationsvereinen und pensionierten Lehrer:innen umfassen. Zudem braucht es zusätzliche Landesmittel für Schulbau und -sanierungen, damit die benötigten Gruppenräume für den Sprachunterricht überall realisiert werden können.
Jeder zusätzlich investierte Euro in Bildung und Sprachförderung ist eine Investition in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen mit langfristigem gesamtgesellschaftlichem und wirtschaftlichem Nutzen für Oberösterreich. Angesichts der Tatsache, dass die Einnahmen des Landes Oberösterreich aus den Ertragsanteilen allein im Zeitraum Jänner bis März deutlich über den Prognosen lagen und es heuer im Sozial- und Integrationsbereich zu erheblichen Kürzungen durch das Land Oberösterreich kommt, muss auch budgetär Spielraum bestehen, um hier gezielt Schwerpunkte zu setzen.