SPÖ bringt Antrag für Sprachpaket ein
Wenn die Landesfinanzen besser dastehen, gibt es keine Ausrede dafür bei Sprachförderung und Schulpersonal zu sparen
SPÖ-Haas
In Wels schafft es jedes vierte Kind nicht, dem regulären Unterricht in deutscher Sprache zu folgen. 40 Prozent der oberösterreichischen Volksschüler:innen verlassen die vierte Klasse, ohne die Bildungsstandards im Lesen zu erreichen. Für das kommende Schuljahr fehlen allein in Wels 91 Lehrkräfte. Es geht hier um Kinder, die schon am Beginn ihres Bildungsweges abgehängt werden.
In der Landtagssitzung am Donnerstag bringt die SPÖ daher einen Antrag ein, der die schwarz-blaue Landesregierung auffordert, ein Maßnahmenpaket zum besseren Spracherwerb an oberösterreichischen Volksschulen auszuarbeiten. „Wer lesen kann, kann lernen. Wer nicht lesen kann, verliert schon in der Volksschule den Anschluss. Die schwarz-blaue Landesregierung muss endlich handeln“, mahnt SPÖ-Abgeordneter und Jugendsprecher Mario Haas. „Es liegt in der Natur von Kindern, dass sie neugierig sind und eine Sprache lernen wollen. Kinder wollen Deutsch lernen. Wenn das nicht gelingt, liegt es nicht an den Kindern, sondern an einem System, das zu wenig Zeit und zu wenig Ressourcen bereitstellt, um dieser natürlichen Lernbereitschaft gerecht zu werden“, so Haas weiter.
Sozialdemokratische Antworten auf schwarz-blaue Fehlplanung
Die Zahlen bestätigt der aktuelle Bundesergebnisbericht des Instituts des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen. Mit Wels und Traun finden sich gleich zwei oberösterreichische Städte im bundesweiten Schlussfeld. Der Anteil an außerordentlichen Schüler:innen mit Deutschförderbedarf beträgt in den Welser Volksschulen bereits 25 Prozent. Das ist ein österreichweiter Spitzenwert. Gleichzeitig bestätigt die Bildungsdirektion Oberösterreich einen erhöhten Personalbedarf in städtischen Ballungszentren. Hohe pädagogische Anforderungen und mangelnde personelle Ressourcen treffen damit unmittelbar aufeinander.
Das SPÖ-Maßnahmenpaket soll verbesserte Begleitstrukturen und attraktive Rahmenbedingungen für Lehrkräfte an besonders herausfordernden Standorten umfassen, dazu zusätzliches Unterstützungspersonal, den Ausbau von Schulbibliotheken und digitalen Lernangeboten sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Integrationsvereinen und pensionierten Lehrer:innen. Zwar hat die Bundesregierung mit dem Chancenbonus-Programm bereits wichtige Schritte gesetzt, ohne entschlossenes Handeln auf Landesebene reicht das aber nicht.
„Die Einnahmen des Landes aus den Ertragsanteilen lagen allein im ersten Quartal deutlich über den Prognosen. Budgetären Spielraum gibt es. Gleichzeitig kürzt Schwarz-Blau im Sozial- und Integrationsbereich massiv. Spracherwerb ist die Grundlage für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und gelingende Integration. Jeder investierte Euro in Bildung und Sprachförderung ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder, mit langfristigem Nutzen für ganz Oberösterreich. Bildungsgerechtigkeit ist keine Frage des Geldes. Sie ist eine Frage des Wollens“, so Haas abschließend.
Foto: Land OÖ