Oberösterreicher:innen durchschauen Dörfels Pflege-Plan
Dörfels Umfrage ist ehrlich und sie zeigt eindeutig, dass die Menschen nicht für sorgende Gemeinschaften bereit sind
SPÖ-Knauseder
Für Knauseder zeigt die Umfrage in Wahrheit etwas ganz anderes, als Dörfel sie verkaufen will: „Die Bürgerinnen und Bürger sehen das klarer, als Dörfel es wahrhaben will. Sie glauben seiner Wohlfühl-Propaganda nicht. Die Menschen wollen, dass das Land die Gemeinden entlastet und ihnen mehr Geld für die Pflege gibt. Das ist Aufgabe der Sozialhilfeverbände, die das großteils selbst finanzieren. Es wird aber immer schwieriger, weil das Land den Gemeinden immer tiefer in die Tasche greift. Nimmt Dörfel seine Umfrage ernst, müsste er als erfahrener Bürgermeister endlich mithelfen, die Gemeindebelastung zu senken. Dann funktioniert’s auch mit der Pflege zu Hause.“
Familie und Nachbarschaft können die Pflege nicht auffangen
Brisant findet Knauseder zudem, wie wenig sich die Menschen auf ihr privates Umfeld verlassen: „Die Hälfte der Oberösterreicher:innen ab 60 rechnet nicht mehr damit, von den eigenen Kindern oder Enkeln gepflegt zu werden. Und selbst von jenen, die zu Hause gepflegt werden wollen, setzt nicht einmal ein Drittel auf einen Familienangehörigen allein. Von Nachbarn oder Freunden wollen sich sogar nur 2 Prozent pflegen lassen. Das zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft verändert hat – wer zu Hause bleiben will, ist auf starke mobile Dienste angewiesen, nicht auf die Hoffnung auf Familie und Nachbarschaft. Die Kinder der zu Pflegenden werden immer stärker in die Pflicht genommen, weil immer weniger Schultern immer mehr tragen müssen.“
Ehrenamt: Die Bereitschaft bricht massiv ein
Knauseder sieht das Stimmungsbild eindeutig bestätigt: „Bei allen abgefragten Tätigkeiten sind die Menschen im Schnitt zu 60 Prozent NICHT bereit diese zu leisten. Zusätzlich stehen bei keiner einzigen Tätigkeit mehr Menschen dazu zur Verfügung, sich ehrenamtlich einzubringen, als nicht dazu bereit sind. Einzige Ausnahme ist die Betreuung der eigenen Enkelkinder, wo 29 Prozent bereit wären und 25 Prozent nicht und ein Großteil macht es auch schon. Außerdem gibt es kaum noch Gründe, warum man sich engagieren sollte. Kein einziger abgefragter Beweggrund kommt auch nur auf 30 Prozent Zustimmung.“
Ein misslungener Beruhigungsversuch
Auch bei der Vorsorge zeigt sich laut Knauseder, wie wirkungslos die bisherige Politik bleibt: „Nur 24 Prozent der Befragten beschäftigen sich intensiv mit der Vorsorge. Trotz jahrelanger Ankündigungen des Landes bleibt die Eigenvorsorge-Kampagne aus Handlungsfeld 1 offenbar wirkungslos. Es klingt so, als wollte Dörfel mit seiner Pressekonferenz die Kritik der Pensionistenvertreter mit einer Umfrage vom Tisch wischen und es zeigt sich, dass es nicht gelungen ist. Was eigentlich gemacht werden sollte ist: Mobile Pflege ausbauen und mehr Kurzzeitpflegeplätze zu schaffen, die sich die Angehörigen auch leisten können, damit Pflege zu Hause funktionieren kann“, so Knauseder abschließend.