Lehrlingsausbildung: SPÖ tritt im Landtag für Belohnung von ausbildenden Betrieben ein
Eine Lehre kostet rund 100.000 Euro – wer zahlt, soll auch profitieren
SPÖ-Arbeitsmarktsprecher Schaller
Oberösterreich nennt sich stolz Lehrlingsbundesland Nummer 1 – doch nirgendwo in Österreich wächst die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle gerade schneller. Bereits im Jänner suchten 2.355 junge Menschen eine Lehrstelle, im Februar stieg diese Zahl um weitere rund 100 an. Das entspricht einem Anstieg von 23,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Zuwachs unter allen österreichischen Bundesländern. 1.041 dieser Jugendlichen sind sofort verfügbar und warten dringend auf einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig bricht das Angebot ein: Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Lehrstellen in Oberösterreich ist auf 1.280 gesunken, ein Rückgang von rund 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. SPÖ-Arbeitsmarktsprecher Hans Karl Schaller warnt: „Wenn wir jetzt nicht handeln, fehlen uns in zehn Jahren die Fachkräfte, die unsere Wirtschaft braucht.“ Die SPÖ fordert die Landesregierung auf, mit einem „Lehrlingsfonds für Oberösterreich“ gegenzusteuern: Gemeinsam mit den Sozialpartnern soll ein Konzept für einen Ausbildungsfonds entwickelt werden, der Betriebe gezielt fördert, die Lehrlinge ausbilden.
Wer nicht ausbildet, profitiert – das muss sich ändern
Laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) übersteigen die Ausbildungskosten in allen Lehrjahren die produktiven Erträge. Eine dreijährige Lehrausbildung kostet einen Betrieb im Durchschnitt über 100.000 Euro. Viele Unternehmen investieren in die Ausbildung, verlieren ihre gut ausgebildeten Lehrlinge danach aber an die Konkurrenz – während Betriebe, die gar nicht ausbilden, von den Fachkräften am Markt profitieren.
„Das ist ungerecht und wirtschaftlich kontraproduktiv. Wer ausbildet, trägt das Risiko – wer nicht ausbildet, kassiert den Nutzen. Dieses System müssen wir ändern“, so Schaller. „Ein solidarisch getragener Ausbildungsfonds, in den alle Unternehmen mit Fachkräftebedarf einzahlen, schafft faire Bedingungen und setzt die richtigen Anreize. Hinter jedem der fast 2.500 Lehrstellensuchenden steckt ein junger Mensch mit einem Berufswunsch und einer Zukunft, die wir mitgestalten können. Deshalb ist die schwarzblaue Landesregierung gefordert zu handeln“, so Schaller abschließend.