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Starkes Zukunftsprogramm für gute Pflege

Der Oö. Landtag möge beschließen:

Die Oö. Landesregierung wird ersucht, eine Strategie zur Umsetzung eines Zukunftsprogramms im Bereich der Altenarbeit auszuarbeiten, in der insbesondere die Umsetzung folgender Maßnahmen diskutiert wird:

  1. Entwicklung von zielgruppengerechten Ausbildungsangeboten für Pflege- und Betreuungsberufe, besonders für PflichtschulabgängerInnen und BerufsumsteigerInnen
  2. Entwicklung von Vorschlägen zur Verbesserung des Arbeitsumfelds in der Pflege und Betreuung
  3. Ausbau alternativer Wohnformen und Forcierung des barrierefreien Wohnbaus für SeniorInnen mit geringem Pflegebedarf
  4. Ausbau der Tagesbetreuungsangebote für SeniorInnen
  5. Verbesserte Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger, insbesondere durch den Ausbau von Mobilen Diensten und neuen Beratungsangeboten

Begründung

Ein hochwertiges Altenbetreuungssystem ist auf Grund seiner generationenübergreifenden Bedeutung eine der wesentlichsten Säulen unserer Gesellschaft. In ganz Österreich – wie auch in allen anderen mitteleuropäischen Staaten – wachsen die damit verbundenen Herausforderungen: Die Anzahl der pflegebedürftigen Oberösterreicher/innen wird  bis zum Jahr 2040 um ca. 57% steigen, wodurch auch mit einem deutlichen Kostenanstieg für die Altenbetreuung zu rechnen sein wird. Die sozialen, pflegerischen und medizinischen Anforderungen an Pflegeeinrichtungen und an das Personal steigen. Gleichzeitig wird es schwieriger, ausreichend fachlich qualifiziertes Personal zu gewinnen und langfristig im Pflegebereich zu halten. Ebenso wandeln sich die Erwartungshaltungen der pflegebedürftigen Generationen: Selbstbestimmung trotz altersbedingter Einschränkungen und der Wunsch nach einer möglichst individuellen Pflegesituation sowie nach einer erlebbaren Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt.

Um das oberösterreichische System der Altenbetreuung und –pflege auch in den kommenden Jahren in seiner hohen Qualität aufrechterhalten zu können, ist es daher nötig, Weichenstellungen für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung zu tätigen. Da im Bereich der Altenbetreuung zahlreiche Angebote ineinandergreifen, ist ein umfassender Ansatz gefordert, der sich nicht nur auf Einzelmaßnahmen beschränkt.

Die Voraussetzung für ein funktionierendes Pflegesystem ist die ausreichende Gewinnung von qualifiziertem Fachpersonal. Um das zu gewährleisten, braucht es eine Individualisierung der Angebote, die maßgeschneiderte Ausbildungsbedingungen für die jeweilige Zielgruppe ermöglichen. Nachdem es bei den Ausbildungen Überschneidungen zwischen Gesundheits- und Sozialbereich gibt, wäre die Implementierung einer gemeinsamen Steuerungsstelle beim Amt der oö. Landesregierung sinnvoll.

Für die wesentlichste Zielgruppe, der Gruppe der BerufsumsteigerInnen, muss ein geeignetes Modell der Existenzsicherung während der Ausbildungszeit angeboten werden. Für die jugendlichen BerufseinsteigerInnen ist es vordringlich, geeignete und vor allem rasch realisierbare Ausbildungsangebote direkt im Anschluss an die Pflichtschule flächendeckend in allen Regionen umzusetzen. Neben der regionalen Ausrollung dieses Angebots ist es nötig, die Jugendlichen in Abstimmung mit den Schulen zielgerichtet im Rahmen der Berufsorientierung, bei geeigneten Messen und Veranstaltungen über den Lehrgang Junge Pflege zu informieren. Bei der Gewinnung und Vermittlung geeigneter MitarbeiterInnen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem AMS sicherzustellen.

Um die ausgebildeten Personen auch möglichst langfristig in der Altenpflege und -betreuung zu halten, ist es notwendig, ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten. Derzeit geht man auf Basis der zu erwartenden Pensionierungen und der in den vergangenen Jahren beobachteten Fluktuation von ca. 1.600 Personaleinheiten aus, die in der oberösterreichischen Altenpflege bis zum Jahr 2025 zusätzlich nötig sein werden. Eine Verlängerung der Zeit, die das bestehende Personal tatsächlich im Pflege- und Betreuungsberuf tätig ist, senkt den zusätzlichen Personalbedarf ab. Aus diesem Grund ist die Leistungsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit der bestehenden Belegschaften als Instrument zur Personalbedarfsdeckung wesentlich. Dies setzt neben den sozialpartnerschaftlich zu verhandelnden Kollektivverträgen unter anderem eine konkurrenzfähige Anrechnung von Vordienstzeiten bei einem Wechsel des Arbeitgebers, die Lösung der Problematik, dass bei einem Dienstgeberwechsel von öffentlichen Trägern ein Jahr lang nur 95% des Gehalts bezahlt werden können, das individuelle Angebot von Sabbatical-Modellen und Weiterbildungen und eine im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und der betrieblichen Anforderungen flexible Gestaltung der eigenen Dienstzeiten voraus. Auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach beispielsweise ca. 85% der österreichischen AltenheimbewohnerInnen an kognitiven Einschränkungen wie Demenz leiden, müssen sowohl in die Überlegungen zum Thema Arbeitsumfeld als auch in die Gestaltung von künftigen Ausbildungsinhalten noch stärker einfließen.

Oberösterreich liegt im Bundesländervergleich bei Altenheimplätzen pro EinwohnerInnen über 75 Jahren auf dem zweiten Platz hinter Salzburg. Auf Grund des spürbaren Wandels der Ansprüche der künftig pflegebedürftigen Generationen und auch auf Grund der demographischen Entwicklung und der damit unweigerlich verbundenen Kostensteigerungen ist es notwendig, neben den etablierten Angeboten wie Alten- und Pflegeheimen sowie mobilen Diensten künftig auch auf die Entwicklung von neuen Angeboten zu setzen. Aktuell haben in den oö. Heimen ca. 28% der BewohnerInnen keine Pflegestufe oder Pflegestufe 1, 2 oder 3. Auf Grund der Vorgabe des Bundes gemäß § 3a Abs. 6 Pflegefondsgesetz, in Alten- und Pflegeheimen erst ab Pflegestufe 4 auf eine Aufnahme hinzuwirken, ist auf eine rasche Bereitstellung von alternativen Angebote für die Pflegestufen 1 bis 3 Bedacht zu nehmen. Eine zunehmende Ausdifferenzierung der Angebote setzt aber auch eine exakte Definition von  Aufnahmekriterien für Alten- und Pflegeheime sowie für alternative Angebote voraus, auf deren Basis eine punktgenaue Objektivierung möglich ist, um zu prüfen, welches Angebot für eine Person am besten geeignet ist.

Es ist bekannt, dass ein überwiegender Teil der Pflege und Betreuung von älteren Menschen nicht in Heimen erfolgt, sondern durch nahe Familienangehörige erbracht wird. Diese Personen leisten tagtäglich eine sozialpolitisch und gesamtgesellschaftlich wertvolle Arbeit. Um Pflegende Angehörige bestmöglich unterstützen zu können, braucht es einen verstärkten Fokus auf qualitativ hochwertige Tagesbetreuungsangebote. Tagesbetreuungsangebote entlasten nicht nur die Pflegenden Angehörigen, sie bieten für die SeniorInnen auch eine wertvolle Kontaktmöglichkeit, professionelle Unterstützung und in vielen Fällen demenzprophylaktische Angebote.

Neben der Bedeutung der Tagesbetreuung braucht es eine gesamthafte Offensive zur Stärkung von Pflegenden Angehörigen. Konkret ist es nötig, in den kommenden Jahren verstärkt auf Beratungsangebote zu setzen, die sowohl in persönlicher Form in einer Beratungsstelle, als auch telefonisch oder digital sowie aufsuchend im Haushalt der Pflegenden Angehörigen in Anspruch genommen werden können. Weiters ist zu prüfen, in wie weit die Förderung von speziellen Erholungsangeboten für Pflegende Angehörige (ev. in Kombination mit einer Kurzzeitpflege) eine weitere Entlastung bewirken. Auch flächendeckende spezialisierte Beratungsangebote für Angehörige von Menschen mit Demenz sind nötig, um dieser speziellen Zielgruppe bestmögliche Unterstützung bieten zu können.

Der Ausbau der mobilen Dienste, die durch ihre Tätigkeit ebenfalls die Pflege innerhalb der Familie erleichtern, muss in Abstimmung mit den Regionalen Trägern Sozialer Hilfe bedarfsgerecht weiterentwickelt werden, wobei unter fachlichen und finanziellen Blickwinkeln zu prüfen ist, ob in individuellen Fällen künftig auch zweimalige Besuche pro Tag eine stationäre Versorgung ersetzen oder zeitlich verschieben können. Zur weiteren Entlastung der Pflegenden Angehörigen ist in Ergänzung der mobilen Dienste ein geeignetes Gesamtpaket zu entwickeln, dass beispielsweise über Essen auf Rädern, ehrenamtliche Besuchsdienste, eventuell technische Hilfsmittel oder therapeutische Angebote einen längeren qualitätsvollen Verbleib zu Hause ermöglicht.

Die genannten Maßnahmen stellen für die unterzeichneten Abgeordneten wesentliche Inhalte für ein starkes Pflege-Zukunftsprogramm dar. Ziel ist es, Antworten für die bevorstehenden Herausforderungen im Pflegebereich zu geben und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Pflegebedürftige, Beschäftigte und pflegende Angehörige gleichermaßen zu verbessern, damit ein Altern in Würde auch in Zukunft gesichert ist. 

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